Bevor sich jetzt alle über den Windows 8 Explorer lustig machen, möchte ich kurz mal ein paar Dinge anmerken und sagen: der ist ziemlich gut.
Er ist konsequent weitergedacht, was die Entwickler auch im Details hier erläutern.
Was haben die Entwickler gemacht?
Sie haben sich die Befehle, die der Nutzer am Häufigsten nutzt, also Kopieren, Ausschneiden, Einfügen, etc. und sie in die Menüzeile gepackt. Da hin, wo sie direkt sichtbar und für den Nutzer erreichbar ist, damit er nicht erst mit einem Rechtsklick den entsprechenden Befehl auswählen muss.
Windows 7 präsentierte sich noch wie folgt, mit den Befehlen irgendwo “versteckt” unter “Organize” oder Rechtsklick > Kopieren oder mit der Tastenkombination Strg + C

In Windows 8 werden diese Befehle nun (endlich) prominent präsentiert, nämlich dort, wo sie hingehören. Sie lässt sich übrigens auch mit einem Klick minimieren.
Wer Microsoft Word 2003 2007 (Update: wie die Zeit vergeht) nutzt, kennt die “Ribbon”, also die Kontext sensitive Menüleiste bereits. Sie blendet die relevanten Befehle dann ein, wenn sie gebraucht werden.
Hier noch einmal in Groß. Ich persönlich finde das ziemlich gut, denn genau diese Befehle nutze ich täglich, wenn ich Dateien hin- und herschieben möchte.

Und genau hierauf liegt auch der Fokus (nicht auf den Dateien, die darunter angezeigt werden). Bevor sich jetzt also alle Apple bzw. Mac-Nutzer über Windows lustig machen, hier der Vergleich mit Mac OS Lion. Quizfrage: Wie kopiere ich hier eine Datei? Wie schneide ich sie aus? Wo befinde ich mich? Wie kopiere ich den Dateipfad? (JA, dafür gibt es in Windows 8 einen Knopf).
In Mac OS Lion sieht das ganze also vielleicht netter aus, aber für mich als “Powernutzer” ist der Finder, das Mac-Pendant zum Windows Explorer, nicht wirklich das Gelbe vom Ei.

Das Problem ist nämlich die Orientierung generell und die Vorstellung davon, wo eine Datei landet. Menschen, die selten mit einem Computer zu tun haben, wissen meist nicht einmal, wohin nun die Datei nach dem Download verschwunden ist. Das ist nichts, worüber man sich lustig machen muss. Es ist einfach so. Sowohl Apple als auch Microsoft reagierten darauf mit dem Download-Ordner.
Was wir nämlich beobachten können: der Computer trifft auf immer mehr Menschen, die ihn nutzen müssen, die vorher aber keine Ahnung haben. Deshalb werden die Systeme weiterentwickelt und es wird versucht, allen Nutzergruppen gerecht zu werden. Microsoft schafft das auf wunderbare Weise, in dem es mit der Office-Reihe kaum neue Funktionen eingebracht hat, aber dafür die bereits vorhandenen (vorher unauffindbar) Funktionen in einem sinnvollen Kontext präsentiert haben.
Sowohl hier und vor allem hier wird mal grandios gezeigt, wie wenig Gedanken man sich bei der Computernutzung macht bzw. machen möchte. Und dass man zurecht einen Mac nutzt.

Dateisysteme sind komplexe Strukturen, für die man erst einmal ein Denken entwickeln muss, um es vollständig zu durchdringen. Im Grunde muss man sich auch selbst merken, wo man welche Datei abgelegt hat.
Ein Grund mehr vermutlich, warum Apple auf dem iPad das Dateisystem längst abgeschafft hat. Und unter uns: so schlecht fände ich das auf einem Mac dann auch nicht.
Copyright der Bilder liegt bei Microsoft. Außer das letzte. Das ist einfach nur doof.